GH Christoph ! komp.jpg

Biografische Notizen

Dr. Gerhard Huhn

Ich wurde im November 1945 in Gelsenkirchen geboren, bin in Witten, ebenfalls im Ruhrgebiet, aufgewachsen. Die Langeweile des Schulunterrichts habe ich u.a. ausgeglichen mit Fotografie - ein Foto von Strauß wurde sogar vom SPIEGEL abgedruckt – und mit der Herausgabe einer Schülerzeitung. Nach dem Wehrdienst kam ich im April 1967 mitten in die Anfänge der Studentenbewegung nach Berlin, um an der Freien Universität Jura zu studieren. 

1968 unterbrach ich für das Wintersemester das Studium, um (nach mehreren Reisen nach Schweden schon während der Schulzeit und des Bundeswehrzeit) als Deutschlehrer in Eskilstuna zu arbeiten. Dort machte ich erste Schlüsselerfahrungen mit alternativen Lehrmethoden. In der Schule als sprachlich unbegabt abqualifiziert lernte ich in drei Monaten Schwedisch und dann dort zum Glück auch Englisch (was in 7 Jahre Schule nicht geklappt hatte). Und meine Kursteilnehmer konnten sich auch nach drei Monaten auf Deutsch verständigen. 

1. Erkenntnis: auf die richtige, individuell passende Methode kommt es an.

Dann machte ich eine noch aufregendere (und aus heutiger Sicht äußerst folgenreiche) Entdeckung in einer Stockholmer Buchhandlung: 

Kreativitet.jpg

In »Kreativitet och uppfinnings förmoga«, der schwedischen Ausgabe eines amerikanischen Buches, wurde zu meiner großen Überraschung nicht nur behauptet sondern vielfach dargelegt, dass Kreativität kein exklusives Talent einiger weniger Genies ist, sondern in mehr oder weniger starker Ausprägung in jedem Menschen steckt.  Die Fähigkeit zur Ideenfindung lässt sich, einmal entdeckt, entfalten und verstärken. Dabei können die unterschiedlichen Methoden und Techniken helfen.

2. Erkenntnis: Jeder – also auch ich – kann kreativ sein

So haben mich seit 50 Jahren die Themen Lernen und Kreativität nicht mehr losgelassen. Zunächst aus ganz persönlichen Motiven, um die Herausforderungen des Studiums und des Lebens besser zu bewältigen. Doch recht bald kam es dann schon zum Transfer der gewonnenen Erkenntnisse an andere Menschen.

Da ich mein Studium selbst finanzierte und mir eine Reserve für die Examensvorbereitungen verdienen wollte, bin ich nach einigen Fehlversuchen und einer weiteren Unterbrechung des Studiums schließlich als Außendienstmitarbeiter einer US-amerikanischen Kosmetikfirma so erfolgreich geworden, dass ich in einer Blitzkarriere zum Verkaufsdirektor für die Schweiz avancierte. 

Dort konnte ich dann im täglichen Einsatz mit den unkonventionellen Lern- und vor allem Trainingsmethoden dieses Unternehmens die Selbstmotivation und Begeisterung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mobilisieren. Parallel waren die dreimonatlich zu berichtenden Umsatz- und Gewinnmeldungen an die Muttergesellschaft eine permanente Herausforderung an meine und die Kreativität aller Beteiligten. So wurde sehr früh der Inhalt der Bücher gelebte Wirklichkeit, nicht nur bei mir sondern in der ganzen Firma. 

Durch den frühen Unfalltod des Gründers und Unkorrektheiten seiner Nachfolger wurde mein Ausflug in die Unternehmenswelt abrupt beendet. Aber immerhin konnte ich so nun doch mein Studium beenden. In der Referendarzeit startete ich dann mit meinem Bruder, der Medizin studierte, einen Workshop für Studenten, um ihnen für die erfolgreiche Bewältigung ihres Studiums bewährte Instrumente mit auf den Weg zu geben. 

Es wurde dabei immer deutlicher: die Lernpsychologie stößt schnell an ihre Grenzen, wenn es um das Praktische geht. So vertiefte ich mich seit Mitte der siebziger Jahre mehr und mehr in die damals auch für interessierte Laien zunehmend zugängliche Gehirnforschung, um meine beiden Hauptinteressen Lernen und Kreativität tiefer zu durchdringen. 

Bild Mythos Motivation.png

Durch die praktische Arbeit war ein drittes Interesse hinzugestoßen. Bei den internationalen Führungskonferenzen schärfte uns der Unternehmensgründer immer wieder ein: Es gäbe zwar unzählige Bücher und Workshops über Mitarbeitermotivation. Davon sollten wir uns aber nicht verwirren lassen. Sein Credo war: Als Führungskraft kann man andere Menschen nicht wirklich motivieren. Es komme vielmehr darauf an, die Selbstmotivation der Menschen zu erkennen und diese zu verstärken. Die meisten Führungskräfte bremsen allerdings ihre Mitarbeiter aus oder demotivieren sie. Das war zwar unkonventionell aber äußerst hilfreich. Anfang der 90er Jahre wurde diese persönliche Erfahrung durch die Dokumentation und Überlegungen Reinhard Sprengers zum »Mythos Motivation« fundiert bestätigt.

3. Erkenntnis: Man kann  als Führungskraft Mitarbeiter nicht motivieren. Es kommt – jedenfalls auf Dauer – immer auf deren Selbstmotivation an.

Anfang der achtziger Jahre habe ich mich dann als Wirtschaftsanwalt selbständig gemacht und parallel einen Verlag gegründet, in dem ich Bücher zur angewandten Gehirnforschung veröffentlicht habe. »Lernen kann phantastisch sein«, »Frei Fliegen«, »Intuitives Management«, »Mind Mapping«, »Grenzen der Vernunft«, «Frankensteins Schloss« und »Der kreative Prozess« – sämtlich Lizenzausgaben aus dem skandinavischen und englischen Sprachraum sind in dieser Pionierphase im »Synchron Verlag« erschienen.

  2015 wurde Prof. Csikszentmihalyi der »CREO« Award der Deutschen Gesellschaft für Kreativität verliehen und mir kam als Berliner Mitglied die Ehre zu, im Auditorium Maximum der Freien Universität  die Laudatio für ihn zu halten. (von links: Prof. Csikszentmihalyi Ph.D, Frau Sasse-Olsen (†), Prof. Dr. Mehlhorn, Dr. Huhn, Prof. Dr. Geschka)

2015 wurde Prof. Csikszentmihalyi der »CREO« Award der Deutschen Gesellschaft für Kreativität verliehen und mir kam als Berliner Mitglied die Ehre zu, im Auditorium Maximum der Freien Universität  die Laudatio für ihn zu halten. (von links: Prof. Csikszentmihalyi Ph.D, Frau Sasse-Olsen (†), Prof. Dr. Mehlhorn, Dr. Huhn, Prof. Dr. Geschka)

Seit dieser Zeit habe ich wann immer möglich auch den direkten persönlichen Kontakt zu den Forschern und Pionieren gesucht. Ganz früh schon Karl Pribram, dessen »Pläne und Strukturen des Verhaltens« mich faszinierte, Klaus Hoppe, der die »Split Brain«-Patienten der Forschungen von Roger Sperry und seinem Team betreute und wesentliche Beiträge zur Kreativitätsforschung geliefert hat, Humberto Maturana, Francisco Varela, Heinz von Foerster, den ich dreimal in seinem Haus in Pescadero besuchen durfte, Paul Watzlawick, Dietmar Hansch, Joseph Weizenbaum, Michael Gelb, Mogens Kirckhoff um nur einige der bekanntesten zu erwähnen. 

Von nachhaltiger Intensität wurde 1995 das erste Treffen mit Mihaly Csikszentmihalyi, auch er ursprünglich ein Kreativitätsforscher, der mich dann mit seinem Flow Konzept nun schon viele Jahre beschäftigt und mit dem ich seither in einen engen Austausch bin und etliche Begegnungen hatte.

4. Erkenntnis: Im Flow Konzept von Professor Csikszentmihalyi fließen sämtliche Aspekte von Lernen, Motivation und Kreativität zusammen.

Durch ihn lernte ich bei den internationalen Konferenzen für Positive Psychologie: u.a. Martin Seligman, Jeanne Nakamura, Barbara Fredrickson, Howard Gardner, Antonella Delle Fave, Gerd Gigerenzer und Falko Rheinberg kennen. 

Von besonders großem Einfluss für meine eigene Tätigkeit ist die Begegnung mit der Schriftstellerin und Kreativitätsexpertin Marilee Zdenek geworden, die ich anlässlich der deutschen Veröffentlichung ihres Buches »Der kreative Prozess« 1988 nach Berlin einlud und mit der wir einen zweitägigen Kreativitätsworkshop mit mehr als 700 Teilnehmern veranstalteten.Wir haben uns dann etliche Male zunächst in Los Angeles, dann Santa Barbara aber auch mal in San Franzisko und 2014 anlässlich ihres 79ten Geburtstages in Berlin getroffen. Von ihr konnte ich einen Großteil dessen lernen, was ich nun in meinen eigenen Workshops einsetze.

  Marilee Zdenek mit Hendrik Backerra (rechts, Autor u.a. von »Kreativitätstechniken«) und Dr. Gerhard Huhn bei einem Kreativitätsworkshop 2014 in Berlin.

Marilee Zdenek mit Hendrik Backerra (rechts, Autor u.a. von »Kreativitätstechniken«) und Dr. Gerhard Huhn bei einem Kreativitätsworkshop 2014 in Berlin.

So konnte ich während meiner Zeit als Verleger intensive persönliche Erfahrungen mit der Erschließung der »Vertikalen-Dimension der Kreativität«  machen.

1987 habe ich an der Ruhr Universität Bochum meinen ersten eigenen Kreativitätsworkshop veranstaltet, dem dann weitere in Unternehmen wie u. a. Nixdorf, Bosch, Service Plan, Kraft Foods, Unilever, Lehnkering, Clausecker-Bingel, BMW, Henkel , pilot group folgten.

Aus der Juristerei habe ich mich dann 1990 mit einer Dissertation »Kreativität und Schule« und Promotion zum Dr. jur. verabschiedet. Über sieben Jahre hatte ich neben meiner ohnehin erfüllten Zeit daran gearbeitet, die Verfassungswidrigkeit von Schulrichtlinien für einige der künstlerischen Fächer in verschiedenen Bundesländern wegen Verstoßes gegen Art. 2 Absatz I GG heraus zuarbeiten.

Nachdem die Verlagsrechte der Bücher meines  Synchron Verlages an den GABAL Verlag übertragen waren, bin ich seit 1992 ausschließlich als Trainer, Autor, sowie als Lehrbeauftragter an deutschen und internationalen Hochschulen und Universitäten tätig. 

Mit Studenten habe ich an der Bayrischen Akademie der Werbung, der Maximilian Universität München, der seinerzeitigen Hochschule, heutigen Universität der Künste, der Technischen Universität, der Humboldt Universität und der Freien Universität, alle in Berlin, gearbeitet. Gastprofessuren habe ich in Auckland, Neuseeland und Concepción, Chile wahrgenommen. 

 

MFM Gruppe Berg- K 2.png

Von 1994 bis 2007 leitete ich zusammen mit anderen Dozenten die inzwischen legendären »Mind Flow Mallorca« Seminare in diversen Klöstern auf der Insel mit Hunderten von Teilnehmern.

Über all die Jahre spielte in den Workshops, vor allem auch beim konkreten Entwickeln von Produktideen, Claims oder neuen Prozessen in Unternehmen neben den diversen Methoden die Erschließung der Vertikaldimension der persönlichen Kreativität die Hauptrolle.  

Seit 2010/2011 leite ich zusammen mit der Diplom Psychologin Laura Ritthaler die von uns gegründete Flow Akademie in Berlin, in der wir spezielle Fortbildungsprogramme für Coaches anbieten. Auch im Rahmen dieser Fortbildung spielen die beiden Themen Lernen und Kreativität eine Schlüsselrolle. 

Angesichts der unkritischen Begeisterung für das Digitale möchte ich jetzt davor warnen, die Lösung all der massiven wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und politischen Probleme in der Hoffnung und der Konzentration auf allmächtige Algorithmen oder allein auf Kreativitätsmethoden und -Techniken zu sehen. Und gleichzeitig sofort damit auch klarstellen, dass es nicht um ein Entweder – Oder sondern um ein Sowohl – als Auch geht. Vor diesem Hintergrund habe ich mich entschlossen, meine Arbeit zur Erschließung der persönlichen kreativen Ressourcen in einem neuen Format in diesem Jahr wieder zu verstärken. Seien Sie herzlich dazu eingeladen, mit zu machen!  

Informationen zum Workshop in Deutschland

Informationen zum Workshop in der Schweiz

Link zur Flow Akademie